Stand September 20266 Minuten LesezeitBetrieb & Instandhaltung
Kurz gefasst
Eine geneigte Aufdachanlage in der Ortenau reinigt sich im Regelfall selbst. Sinnvoll wird eine Reinigung erst bei flachen Dächern, starker örtlicher Belastung oder sichtbarem Bewuchs. Und wenn der Ertrag einbricht, ist Schmutz selten die Ursache. Sehen Sie deshalb zuerst in die Auswertung, nicht aufs Dach.
Reinigt Regen eine PV-Anlage von selbst?
Solarmodule haben eine glatte Glasoberfläche, an der wenig haftet. Sobald ein Dach ausreichend geneigt ist, läuft Regenwasser ab und nimmt Staub, Pollen und feinen Schmutz mit. Dieser Selbstreinigungseffekt ist kein Marketingversprechen der Hersteller, sondern der Grund, warum eine typische Aufdachanlage nach zehn Jahren kaum anders aussieht als nach einem.
Im Kinzigtal und in der Rheinebene kommt uns dabei das Wetter entgegen. Längere Trockenperioden gibt es, aber keine, die eine Anlage dauerhaft verschmutzt zurücklassen. Wer bei uns im Sommer ein staubiges Modul sieht, hat es nach dem nächsten ordentlichen Regen wieder sauber.
Deshalb ist der häufigste Grund für eine Reinigung nicht ein messbarer Ertragsverlust, sondern ein Anruf von jemandem, der Reinigungen verkauft.
Wann ist eine Reinigung der PV-Anlage doch sinnvoll?
Es gibt Fälle, in denen sich Schmutz hält, statt abzulaufen. Dann geht es meistens nicht um eine dünne Staubschicht, sondern um Ablagerungen, die einzelne Zellen dauerhaft abschatten. Genau das ist der Punkt: Nicht die gleichmäßige Verschmutzung kostet Ertrag, sondern die punktuelle.
Situationen, in denen wir eine Reinigung für sinnvoll halten
- Sehr flache Dächer oder aufgeständerte Anlagen, bei denen Wasser nicht richtig abläuft
- Anlagen direkt neben Bäumen, unter Vogelanflugstellen oder an Stallungen
- Landwirtschaftliche Gebäude mit Futterstaub oder Abluft aus der Tierhaltung
- Standorte mit starker Belastung durch Ruß, Abgase oder Baustaub in der Nachbarschaft
- Sichtbare Moos- oder Flechtenbildung an den Modulrändern
Warum bieten wir keine Modulreinigung an?
Wir könnten Ihnen eine jährliche Reinigung verkaufen. Es wäre planbarer Umsatz mit wenig Aufwand. Wir tun es nicht, weil wir unseren Kunden dann eine Leistung berechnen würden, die sie in den meisten Fällen nicht brauchen.
Dazu kommt ein praktischer Grund. Eine Reinigung auf einem Steildach ist Arbeit in der Höhe mit Wasser und rutschigem Untergrund. Das ist nichts, was man nebenbei macht, und unser Team ist für Montage und Elektrik da, nicht für Gebäudereinigung.
Wenn Sie in einem der oben genannten Fälle sind, empfehlen wir Ihnen eine Fachfirma für Gebäudereinigung mit Erfahrung an PV-Anlagen. Wir sagen Ihnen dann auch, worauf Sie achten sollten.
Was sollte ich beim Reinigen auf keinen Fall tun?
Die meisten Schäden an Modulen entstehen nicht durch Schmutz, sondern durch gut gemeinte Reinigungsversuche. Was auf dem Dach passiert, sieht man von unten nicht, und Mikrorisse in der Zelle zeigen sich manchmal erst Jahre später im Ertrag.
Finger weg von
- Hochdruckreiniger. Der Druck kann die Moduldichtung beschädigen und Wasser hinter die Rahmen drücken.
- Scheuermittel, Spülmittel und Glasreiniger. Sie hinterlassen Filme, an denen neuer Schmutz besser haftet als vorher.
- Kaltes Wasser auf heiße Module. Der Temperaturschock kann das Glas schädigen.
- Betreten der Module. Ein Modul ist auf Schnee- und Windlast ausgelegt, nicht auf eine punktuelle Belastung durch einen Schuh.
- Die Leiter allein. Fast jeder ernste Unfall an PV-Anlagen passiert beim Hinaufsteigen, nicht bei der Arbeit oben.
Woran merke ich, dass mit meiner PV-Anlage etwas nicht stimmt?
Statt aufs Dach zu schauen, schauen Sie in die Auswertung. Jeder moderne Wechselrichter zeichnet den Ertrag auf, und ein echtes Problem zeigt sich dort schneller und zuverlässiger als mit dem Fernglas.
Wichtig ist der Vergleich mit sich selbst: Wie lag der Ertrag im gleichen Monat des Vorjahres? Ein Rückgang über mehrere Wochen bei vergleichbarem Wetter ist ein Grund, nachzusehen. Ein einzelner schwacher Tag ist Wetter.
Fast immer steckt dann etwas anderes dahinter als Schmutz: ein gealterter Wechselrichter, ein Kontaktproblem, ein Modul mit Defekt oder ein Baum, der über die Jahre schlicht gewachsen ist.


