Stand September 20269 Minuten LesezeitE-Mobilität
Kurz gefasst
Was eine selbst geladene Kilowattstunde bringt, ist die Differenz zwischen Ihrem Strompreis und Ihrer Einspeisevergütung, nicht der volle Strompreis. Damit davon etwas auf der Straße ankommt, braucht es einen Zähler am Netzanschlusspunkt, ein Energiemanagement und eine Wallbox, die stufenlos regelt, am besten mit automatischer Phasenumschaltung. Steht Ihr Auto tagsüber nie zu Hause oder haben Sie keinen eigenen Stellplatz, ist eine einfache Wallbox mit Zeitsteuerung die passendere Wahl.
Was kostet eine Kilowattstunde Solarstrom zu Hause?
Bevor es um Technik geht, geht es um drei Zahlen. Die erste ist Ihr Strompreis. Der Durchschnitt der verfügbaren Stromtarife lag im bisherigen Jahresverlauf 2026 bei 37,0 Cent je Kilowattstunde, das weist die BDEW-Strompreisanalyse vom 21. August 2026 aus. Was Sie selbst zahlen, steht auf Ihrer Abrechnung und kann deutlich darunter oder darüber liegen.
Die zweite Zahl ist das, was Sie für eingespeisten Strom bekommen. Für eine Anlage bis 10 Kilowatt auf dem Gebäude, die zwischen August und Dezember 2026 in Betrieb geht, zahlt der Netzbetreiber 7,70 Cent je Kilowattstunde. Ist Ihre Anlage größer, gilt dieser Satz nur für den Anlagenteil bis 10 Kilowatt. Für ältere Anlagen gelten die Sätze aus dem Jahr der Inbetriebnahme, meist deutlich höher.
Damit steht die dritte Zahl fest, und die ist die eigentliche Rechengröße. Was eine selbst geladene Kilowattstunde wert ist, ist nicht der volle Strompreis, sondern die Differenz zwischen Ihrem Strompreis und dem, was Sie für die Einspeisung bekommen hätten. Bei einer Anlage bis 10 Kilowatt, die ab August 2026 in Betrieb geht, sind das rund 29 Cent. Bei einer älteren Anlage mit höherer Vergütung fällt der Vorteil kleiner aus. Ihren eigenen Satz finden Sie in Ihrer letzten Einspeiseabrechnung.
Zur Einordnung beziffert der ADAC die Stromgestehungskosten von Photovoltaikanlagen allgemein mit 6 bis 14 Cent je Kilowattstunde. Was eine konkrete Anlage kostet, hängt von Dach, Größe und Finanzierung ab. Für die Frage, was Laden mit eigenem Strom bringt, zählt aber ohnehin die Differenz zur Einspeisevergütung.
| Größe | Wert | Beleg |
|---|---|---|
| Durchschnitt der Stromtarife 2026 | 37,0 ct/kWh | BDEW-Strompreisanalyse vom 21.08.2026 |
| Einspeisung, Anlage bis 10 kW, Inbetriebnahme August bis Dezember 2026 | 7,70 ct/kWh | Bundesnetzagentur |
| Vorteil je selbst geladener Kilowattstunde | rund 29 ct | Differenz aus beiden Werten |
Die rund 29 Cent gelten für eine Anlage bis 10 kW mit Inbetriebnahme ab August 2026. Bei einer älteren Anlage mit höherer Vergütung fällt der Vorteil kleiner aus.
Wie funktioniert Überschussladen?
Überschussladen ist kein Modus, den Sie im Auto einschalten. Es ist eine Regelung im Haus. Ein Zähler am Netzanschlusspunkt sieht in Echtzeit, wie viel Strom gerade ins Netz laufen würde, ein Energiemanagement rechnet daraus eine Sollleistung aus, und die Wallbox fährt ihre Ladeleistung entsprechend nach. Fällt eines dieser drei Teile weg, funktioniert die Kette nicht.
Eine Wallbox ohne diese Anbindung lädt schlicht mit der Leistung, die eingestellt ist. Reicht die Sonne dafür nicht, holt sie den Rest aus dem Netz, ohne dass es jemand merkt. Der Unterschied fällt erst auf der Jahresabrechnung auf, und dort lässt er sich kaum noch einer Ursache zuordnen.
Wie fein das System dem Überschuss folgt, hängt auch an der Wallbox selbst. Eine, die nur ein- und ausschalten kann, trifft den Überschuss gröber als eine, die ihre Leistung stufenlos verstellt.
Was ein Überschusssystem braucht
- Einen Zähler am Netzanschlusspunkt. Er misst, wie viel Strom in diesem Moment ins Netz laufen würde.
- Ein Energiemanagement. Es macht aus dieser Zahl eine Sollleistung und verteilt zwischen Haushalt, Speicher und Auto.
- Eine Wallbox, die dieser Sollleistung folgt. Sie muss über WLAN, LAN oder Modbus erreichbar sein und ihre Ladeleistung stufenlos und in Echtzeit nachführen können.
Ab wie viel Überschuss startet das Laden?
Ein E-Auto lässt sich nicht mit beliebig wenig Leistung laden. Einphasiges Laden startet ab circa 1,4 Kilowatt überschüssigem Solarstrom, dreiphasiges Laden setzt mindestens 4,2 Kilowatt voraus. Unterhalb dieser Werte passiert nichts, auch wenn die Sonne scheint.
An diesem Punkt entscheidet sich, wie oft ein System überhaupt anspringt. Wallboxen mit automatischer Phasenumschaltung können laut ADAC auch an bewölkten Tagen und im Winter mehr PV-Überschuss nutzen, weil sie auf eine Phase zurückgehen und damit schon ab etwa 1,4 Kilowatt laden. Eine fest dreiphasige Wallbox wartet dagegen auf ihre 4,2 Kilowatt.
Wie viel Überschuss überhaupt anfällt, hängt an der Anlage und am Hausverbrauch. Der ADAC nennt Anlagen ab circa 6 bis 10 kWp als Größe, bei der regelmäßig so viel erzeugt wird, dass der Hausbedarf gedeckt ist und etwas übrig bleibt.
Dazu kommt die Lage. In den Seitentälern rund um Berghaupten verschwindet die Sonne nachmittags früher hinter dem Hang als in der Rheinebene. Wie stark sich das bei Ihnen auswirkt, hängt von Dach, Ausrichtung und Verschattung ab und lässt sich nicht pauschal beziffern.
Wie hoch sind die Ladeverluste beim E-Auto?
Zwischen dem Zähler im Haus und der Batterie im Auto geht immer etwas verloren, und beim langsamen Laden mehr als beim schnellen. Der ADAC hat fünf Fahrzeuge vermessen und die Ergebnisse am 6. August 2026 veröffentlicht.
Der Grund liegt im Grundverbrauch des Fahrzeugs. Während des Ladens hält das Auto seine Steuergeräte wach und betreibt oft auch das Thermomanagement der Batterie. Dieser Verbrauch läuft unabhängig davon mit, wie viel Leistung ankommt. Fließen nur 2,3 Kilowatt, fällt er prozentual sehr viel stärker ins Gewicht als bei 11 Kilowatt.
Für die Rechnung heißt das: Solarstrom bleibt deutlich günstiger als Netzstrom, der Vorteil fällt durch die Verluste aber etwas kleiner aus, als eine reine Cent-Rechnung vermuten lässt. An der Haushaltssteckdose geht der größte Anteil verloren. Pro geladener Kilowattstunde zahlen Sie dort mehr für Strom, der nie im Akku ankommt, als an jeder Wallbox.
| Wie geladen wird | Leistung | Ladeverluste |
|---|---|---|
| Wallbox mit voller Leistung | 11 kW | 5,1 bis 7,0 Prozent |
| Wallbox, simuliertes Überschussladen | 4,1 kW | 8,0 bis 12,8 Prozent |
| Haushaltssteckdose | 2,3 kW | 12,7 bis 24,2 Prozent |
ADAC, fünf Fahrzeuge, veröffentlicht am 6. August 2026. Der Höchstwert von 24,2 Prozent stammt von einem einzigen Fahrzeug; die vier anderen lagen an der Steckdose zwischen 12,7 und 15,3 Prozent.
Hilft ein Speicher, das Auto abends mit Solarstrom zu laden?
Die Sonne liefert mittags, das Auto steht abends in der Garage. Das ist der eigentliche Zielkonflikt. Ohne Batteriespeicher lässt sich Solarstrom nur in dem Moment nutzen, in dem er erzeugt wird, darauf weist auch die Verbraucherzentrale hin. Wer erst nach Sonnenuntergang ansteckt, lädt ohne Speicher Netzstrom. Im Sommer kommen Sie um 18 Uhr noch an nutzbaren Überschuss, im November nicht mehr.
Ein Speicher verschiebt den Mittagsüberschuss in den Abend. Er hat dabei zwei Grenzen, die man vorher kennen sollte. Ein Hausspeicher ist typischerweise auf den Tagesbedarf des Hauses ausgelegt, eine Autobatterie auf mehrere hundert Kilometer Reichweite. Rechnen Sie also nicht damit, dass der Speicher ein leeres Auto füllt. Dazu kommt: Jede Zwischenspeicherung kostet Energie, weil der Strom zweimal gewandelt wird, einmal hinein und einmal heraus.
Deshalb geht es weniger um mehr Speicher als um die Reihenfolge. In welcher Priorität Haushalt, Speicher und Auto bedient werden, wird im Energiemanagement eingestellt. Ob zuerst der Speicher voll wird oder zuerst das Auto lädt, muss zum Fahrprofil passen. Wie ein Speichersystem aufgebaut ist und worauf es bei der Größe ankommt, steht auf den jeweiligen Seiten.
Wann lohnt sich Überschussladen nicht?
Nicht jeder Haushalt braucht ein Überschusssystem. Es gibt Konstellationen, in denen der Aufwand nicht ankommt, und die sollte man vorher kennen statt hinterher.
Ein Fall für sich sind Mietwohnungen. Nach Paragraf 554 BGB können Sie von Ihrem Vermieter verlangen, dass er bauliche Veränderungen erlaubt, die dem Laden eines Elektrofahrzeugs dienen. Der Anspruch besteht nur dann nicht, wenn die Maßnahme dem Vermieter auch unter Würdigung Ihrer Interessen nicht zuzumuten ist. Vereinbarungen, die zu Ihrem Nachteil davon abweichen, sind unwirksam.
Wann ein Überschusssystem wenig bringt
- Kein eigener Stellplatz. Wer als Laternenparker auf der Straße steht, kann keinen Strom vom eigenen Dach laden. Die Verbraucherzentrale nennt diesen Fall ausdrücklich.
- Sehr kleine Anlage. Bleibt nach dem Hausverbrauch selten genug übrig, um die Startschwelle von 1,4 oder 4,2 Kilowatt zu erreichen, springt die Regelung entsprechend selten an.
- Das Auto muss planbar schnell voll sein. Wer regelmäßig in zwei Stunden wieder losfahren will, braucht Ladeleistung, keine Sonnenabhängigkeit.
- Pendeln ohne Speicher und ohne Lademöglichkeit am Arbeitsplatz. Dann steht das Auto genau dann woanders, wenn der Überschuss anfällt.
Was muss vor dem Einbau einer Wallbox geklärt sein?
Eine Wallbox ist kein Haushaltsgerät, das man einfach ansteckt. Vor der Inbetriebnahme muss sie beim Netzbetreiber angemeldet werden, und je nach Leistung kommt noch etwas dazu.
Ein Missverständnis vorweg: Wenn der Netzbetreiber eine Wallbox steuert, schaltet er sie nicht ab. Er senkt den Bezug ab, die Ladung läuft langsamer weiter. Und die Steuerbarkeit ist keine freiwillige Abmachung, sondern Pflicht für neue Einrichtungen über 4,2 Kilowatt. Wahlfrei ist nur das Modul, über das die Netzentgeltreduzierung läuft.
Die Formalien in Kurzform
- Mitteilung an den Netzbetreiber. Nach Paragraf 19 der Niederspannungsanschlussverordnung muss jede Ladeeinrichtung vor der Inbetriebnahme mitgeteilt werden.
- Zustimmung ab 12 kVA. Überschreitet die Summen-Bemessungsleistung 12 Kilovoltampere je elektrischer Anlage, bedarf die Inbetriebnahme zusätzlich der vorherigen Zustimmung des Netzbetreibers. Er muss sich dann innerhalb von zwei Monaten nach Eingang der Mitteilung äußern und bei einer Ablehnung den Hinderungsgrund sowie mögliche Abhilfemaßnahmen darlegen.
- Steuerbarkeit ab 4,2 Kilowatt. Eine neue Wallbox mit mehr als 4,2 Kilowatt Netzanschlussleistung fällt seit dem 1. Januar 2024 unter Paragraf 14a EnWG und muss steuerbar sein. Der Netzbetreiber darf den Bezug im Steuerungsfall auf 4,2 Kilowatt absenken, mehr nicht.
- Reduziertes Netzentgelt. Im Gegenzug zahlen Sie ein reduziertes Netzentgelt. Sie wählen zwischen einer pauschalen Reduzierung und einer prozentualen Reduzierung des Arbeitspreises; zeitvariable Netzentgelte sind seit April 2025 zusätzlich zur pauschalen Variante möglich.
Quellen
Regeln, Sätze und Fristen ändern sich. Deshalb steht bei jeder Quelle, wann wir sie geprüft haben.
- Bundesnetzagentur, EEG-Fördersätze für Photovoltaikanlagenabgerufen am 21.09.2026
- BDEW, BDEW-Strompreisanalyse Herbst 2026 (Stand 21.08.2026)abgerufen am 21.09.2026
- ADAC, Ladeverluste beim Elektroauto (veröffentlicht 06.08.2026)abgerufen am 21.09.2026
- ADAC, Stromverbrauch von Elektroautos im Testabgerufen am 21.09.2026
- ADAC, Wallbox-Überschussladen: PV-Strom fürs E-Auto clever nutzenabgerufen am 21.09.2026
- Verbraucherzentrale, Elektroauto: Mit eigener Ladestation Solarstrom vom Dach ladenabgerufen am 21.09.2026
- Paragraf 19 NAV, Niederspannungsanschlussverordnungabgerufen am 21.09.2026
- Bundesnetzagentur, Paragraf 14a EnWG Steuerbare Verbrauchseinrichtungenabgerufen am 21.09.2026
- Paragraf 554 BGB, Bürgerliches Gesetzbuchabgerufen am 21.09.2026
- Kraftfahrt-Bundesamt, Pressemitteilung Verkehr in Kilometern (09.09.2026)abgerufen am 21.09.2026


